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Interview mit einem Journalisten

Eine Aufmunterung für frustrierte Autoren

 

 

1. Die Zielgruppe.

- Frustrierte Rezensenten

- Frustrierte Autoren

 

2. Die Story.

Journalist J arbeitet seit Jahren für den Kulturteil der Zeitung Z. 

Autor A schreibt seit Jahren an seinem ersten Roman, der nach 444 Absagebriefen endlich im Verlag V publiziert wird.

Das Bemühen des Verlags, das Werk des Autors in den Medien bekanntzumachen, ist nicht meßbar, das Bemühen des Autors, wenigstens im Kulturteil seiner Heimatzeitung gebührlich gewürdigt zu werden, mündet in eine mittlere Depression. Schließlich dreht der Autor den Spieß um und bittet den Journalisten J zum Interview. 

 

3. Das Interview.

Autor A:   Seit Jahr und Tag wird beklagt, die Deutschen könnten keine spannenden Romane schreiben ...

Journalist J: Das ist keine Klage, sondern eine Feststellung. 

A: Ich glaube eher, daß die Journaille nicht wahrhaben will, daß ...

J: ... es eine Menge Autoren in Deutschland gibt, die phantastische  Bücher schreiben?

A: Genau!

J: Zum Beispiel Sie.

A: Sie haben meinen Roman gelesen?

J: Ich bekomme pro Monat geschätzte zwei Schubkarrenladungen diverser Druckwerke geschickt. 

A: Sie haben meinen Roman also nicht gelesen?

J: Ich kann mich nicht erinnern. Das ist kein gutes Zeichen.

A: Ach? Ich glaube eher, daß Sie gewisse Bücher einfach grundsätzlich nicht lesen.

J: Stimmt. 

A: Sie gehören also auch zu denen, die glauben, nur Schweden, Engländer und Amis könnten gute Unterhaltung schreiben? 

J: Nö.

A: Ich wette, wenn ich Sven Nyftengard heißen würde, hätte ich bessere Chancen. 

J: Kommt auf das Buch an, würde ich sagen.

A: Ich bekomme sehr viel positives Leserfeedback.

J: Ja, so sind sie, die Autoren. Bitten um ein Interview und reden nur von sich.

A: Nach welchen Kriterien wählen Sie die Bücher aus, die Sie besprechen?

J: Tempo, Spannung, Originalität, sprachliche Raffinesse ...

A: Ich könnte Ihnen ein halbes Dutzend deutsche Autoren nennen, die ...

J: Also gut. Wie heißt Ihr Buch?

A: Potemkins viertes Dorf.

J: Ich erinnere mich dunkel, ja. Sehr origineller Titel. Krimi?

A: Ein Gesellschaftsroman mit Kriminalstory. Spielt im Westerwald.

J: Oh je. 

A: Da haben wir´s! Würde das Buch im Schottischen Hochmoor oder in Helsinki spielen, hätten Sie jetzt Oh ja! gesagt.

J: Ich mag keine Regional...

A: Soll ich Ihren Artikel über schwedische Autoren und deren Sujet zitieren, damit Sie merken ...

J: Ein guter Roman besteht aus mehr als einem bloßen Handlungsort.

A: Genau das ist meine Intention: Gesellschaftsgeschichte mit Lokalkolorit in eine kriminalistische Handlung verpackt. 

J: Potemkin im Westerwald. Ich verstehe.

A: Sie werden mein Buch also nicht vorstellen?

J: Lassen Sie halt ein Exemplar da.

A: Damit Sie es als garantiert ungelesen bei ebay versteigern?

J: Könnten Sie mir verraten, warum Sie eigentlich hier sind?

A: Wir hatten einen Interviewtermin. 

J: Ach so. Na dann vielen Dank für das Gespräch. 

 

4. Die Moral von der Geschicht`: 

Die armen Leser.

  

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