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Interview 9

(aus: federwelt N 43/Sept. 2003)

 

Bitte beachten Sie:

Dieser Beitrag erschien 2003! Inzwischen ist nicht nur meine Printauflage gewachsen (Auflage rund 350 000), sondern auch im Print on Demand sind viele neue Anbieter und Möglichkeiten hinzugekommen. Auch das "Ansehen" von Selfpublishing ist derzeit in einem Wandel begriffen.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass Sie genau prüfen, welche Rechte Sie bei einem Vertragsabschluss abgeben!

 

 


Nikola Hahn, Jahrgang 1963, ist Kriminalhauptkommissarin und Autorin von drei Romanen mit einer Gesamtauflage von über 100.000 Büchern ("Die Detektivin", "Die Wassermühle", "Die Farbe von Kristall"). Vor kurzem hat sie ihr erstes Buch, einen Band mit Lyrik und kurzer Prosa, als Book on Demand (BoD) herausgebracht. Im Unterschied zu einem "normalen" Buch, das in einer bestimmten Auflage gedruckt und in einem Lager aufbewahrt wird, wird ein Book on Demand, zu Deutsch: Buch auf Nachfrage, nur auf Bestellung hergestellt, Stück für Stück. Meist dauert dies nur einen Tag. Nikola Hahns Debüt "Baumgesicht" erschien 1995 im Verlag Hänsel-Hohenhausen und ist seit Jahren vergriffen. Die Geschichten, Skizzen und Gedichte stammen überwiegend aus der literarischen Lehrzeit der Autorin, den 80er Jahren.


FEDERWELT: Nikola, du hast inzwischen drei dicke Romane veröffentlicht, zwei davon historische Kriminalromane. Den Durchbruch als Schriftstellerin hast du längst geschafft. Warum tauchte der Wunsch auf, eine - wie du in deiner Vita schreibst - "Werkstattausgabe "mit Gedichten und Prosatexten vor allem aus den 80er Jahren noch einmal zu veröffentlichen?

NIKOLA HAHN: Weil meine Leser danach fragten! Ich habe ja regelmäßig Lesungen zu meinen Romanen, und da erzähle ich natürlich auch immer ein bißchen was von mir selbst und meinen literarischen Anfängen, nun, und dann kommt fast immer die Frage, warum es mein erstes Buch nicht mehr zu kaufen gebe. Irgendwann habe ich mir dann gesagt: Okay, ich sorge dafür, daß es wieder zu kaufen ist!

FEDERWELT: In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "BoD-aktuell" (Heft 7/8 2003) kann man lesen, daß du das Buch gezielt als Book on Demand herausgebracht hast. Was hat dich daran gereizt?

NIKOLA HAHN: Zum Einen sind Kurzgeschichten und Gedichte nun ja nicht gerade das Genre, nach dem sich Verlage verzehren. Zum anderen wollte ich, daß dieses, mein erstes "Baby", nach meinen Vorstellungen zur Welt kommt, das fing bei der Gestaltung des Umschlages an und ging bis zum Layout.

FEDERWELT: Hättest du dir bei der Gestaltung deiner bisherigen Bücher mehr Mitspracherechte gewünscht?

NIKOLA HAHN: Ja. Ich ernte immer wieder erstaunte Blicke, wenn ich den Leuten erkläre, daß ich erst drei Bücher schreiben mußte, bis ich meinen Titelvorschlag durchsetzen konnte. Gut, "Die Wassermühle" war ein Kompromißvorschlag des Verlags, dem ich aber gern zugestimmt habe, weil er mir gefiel. Aber bei meinem Romandebüt wurde der Titel nicht nur ohne, sondern gegen meinen Willen festgelegt. Ich habe lange gebraucht, bis ich mich an "Die Detektivin" gewöhnt hatte. Mein Titelvorschlag war "Das Glashaus" (inzwischen hat ein anderer Roman diesen Titel erhalten, er ist also nicht mehr frei). Für mich ist es wichtig, daß der Titel die Seele eines Buches spiegelt, etwas über die tiefere Wahrheit in dem Buch sagt. Und was die Umschläge angeht: Da hatte ich bei keinem ein Mitsprachrecht. Mir gefallen die Umschläge der Hardcoverausgaben gut, auch die Originalausgabe der "Wassermühle" ist schön. Aber bei Sonderausgaben wurde das Titelbild z. B. der "Detektivin" schon dreimal geändert. Das habe ich erst zu sehen bekommen, als die Bücher schon im Handel waren. Dieses Schicksal wollte ich meinem "Baumgesicht" auf jeden Fall ersparen.

FEDERWELT: Hattest du dem Verlag Hänsel Hohenhausen*, in dem dein Debüt 1995 erschienen ist, die Rechte an der Zusammenstellung deiner Texte nur für eine Auflage übertragen?

NIKOLA HAHN: Dieses Kapitel ist ein recht unerfreuliches. Ich hatte die Rechte nur für diese Ausgabe abgegeben, denn es war ein Zuschußgeschäft (für mich). Der Verlag hat sich später in Fouqué* umbenannt und es tatsächlich fertiggebracht, meinen Namen für Werbezwecke für Fouqué zu mißbrauchen, in dem ich nie Autorin war. Ich habe mich dagegen gewehrt, indem ich eine Klarstellung auf meiner Website einstellte, was mir prompt einen bösen Anwaltsbrief des Herrn Verlegers einbrachte. Genützt hat es ihm nichts.

FEDERWELT: Die aktuelle Ausgabe der "BoD aktuell" spricht schon bei deinem Debüt von einer "Resonanz, die Mut machte". Wie hast du das Buch damals unter die Leute gebracht?

NIKOLA HAHN: Eigentlich hatte der Verlag versprochen, für Rezensionen und Lesungen zu sorgen. Da passierte aber rein gar nichts. Ich habe deshalb selbst Werbung gemacht, das Buch an Regionalzeitungen geschickt, wegen Lesungen in Stadtbibliotheken nachgefragt. Das war ein mühseliges Geschäft, aber nach rund einem Jahr hatte ich die Auflage unters Volk gebracht. Um Neulingen einen Anhaltspunkt zu geben, um welche Mengen es da ging: 350 Stück betrug diese Auflage, und ein Teil davon wurde noch als Freiexemplare an die Presse verschickt. Man sollte sich also nicht zu große Erwartungen stecken, wenn man diesen Weg geht.

FEDERWELT: Wie hast du dich über BoD informiert?

NIKOLA HAHN: Ich hatte vor Jahren schon - als ich noch in einer Literaturzeitung mitarbeitete - einen Artikel über diese neue Methode des Büchermachens geschrieben. Ich fand das damals schon faszinierend, allerdings hatte ich zu der Zeit bereits einen Verlagsvertrag mit meinem ersten Roman, so daß es für mich keinen Anlaß gab, diese Sache auszuprobieren. Jetzt, für die Neuausgabe, habe ich mich im Internet informiert, auch Angebote verschiedener Anbieter eingeholt.

FEDERWELT: Es gibt unterschiedliche Anbieter zur Produktion von Books on Demand. Worauf hast du bei der Auswahl deines Anbieters geachtet?

NIKOLA HAHN: Als erstes auf den Preis, das heißt, eine vernünftige Relation zwischen den Herstellungskosten und dem, was mir bei dem Absetzen des Buches bleibt. Zum zweiten auf die schnelle Lieferbarkeit und daß das Buch auch bei online-Händlern gelistet wird, und zwar ohne Aufpreis. Zwar hatte ich günstigere Angebote vorliegen als BoD, aber ich habe mich dann dagegen entschieden, weil die Marge beim Direktverkauf zu niedrig gewesen wäre. Allerdings kommt das auch wieder darauf an, mit welcher Auflagenhöhe man rechnet. Es ist auf jeden Fall ratsam, sich die Angebote verschiedener Anbieter einzuholen und genau zu vergleichen!

FEDERWELT: Nach welchen Kriterien wird der Verkaufspreis eines BoD kalkuliert?

NIKOLA HAHN: Ganz einfach: Herstellungskosten plus Marge des Buchhandels plus sonstige Kosten. Wenn man das alles auf den Stückpreis umrechnet, muß bei einem Verkauf noch was übrig bleiben. Danach setzt man dann den Ladenverkaufspreis fest. Wen´s interessiert: Auf der Website von BoD kann man - kostenlos! - sein Buch kalkulieren und mit verschiedenen Ladenpreisen experimentieren. Wichtig ist, daß durch die gesetzlich verankerte Buchpreisbindung nun auch für den Privatverkauf eines Buches die Buchpreisbindung gilt. Es ist nach Erscheinen des Buches also nicht ohne weiteres möglich, den Buchpreis wieder zu ändern. Es gilt da Fristen einzuhalten. Umso wichtiger ist es, sich den "richtigen" Preis vorher genau zu überlegen.

FEDERWELT: Welche Erfahrungen hast du insgesamt mit dem BoD-Verfahren gemacht?

NIKOLA HAHN: Wirklich sehr gute! Die Betreuung war erstklassig. Ich hatte mich ja in das Abenteuer gestürzt, alles selbst zu machen, also auch das Layout (was übrigens viel schwieriger ist als den Umschlag zu kreieren). Da gab es dann bei der Übermittlung der Manuskriptvorlage einige Überraschungen, aber die Leute von BoD haben mir wirklich sehr geholfen. Auch die Abwicklungen der Bestellungen klappen bislang reibungslos.

FEDERWELT: Da du als Autorin bereits einen Namen hast, ist es für dich sicherlich nicht schwierig, dein Debüt unter die Leute zu bringen. Du legst es bei Lesungen auf den Büchertisch, du weist auf deiner Website darauf hin. Sogar die FAZ hat die Neuausgabe besprochen. Das Projekt scheint gut anzulaufen.

NIKOLA HAHN: Ja, ich kann mich nicht beschweren. Da das Buch aber in keinem Verlag erscheint, habe ich die Pressearbeit komplett selbst gemacht. Der Artikel in der FAZ war das Ergebnis einer Lesung in Frankfurt. Obwohl ich im Rhein-Main-Gebiet recht bekannt bin, wissen die Zeitungsredakteure nicht von selbst, daß es ein neues Buch gibt. Das heißt, ich habe Presseinfos und Handzettel entworfen und diese an Zeitungen verschickt. Außerdem habe ich mir im Laufe der Jahre eine recht ansehnliche Kartei von Interessenten aufgebaut, denen ich die Info ebenfalls zugeschickt habe. Zwar ist das Buch bei amazon.de gelistet, und Leser, die wegen meiner Romane auf die Website gehen, werden ebenfalls informiert, aber man darf nicht glauben, daß sich daraus Massenbestellungen ergeben. Man muß - auch als etablierte Autorin - etwas dafür tun, daß das Buch unter die Leute kommt. Die beste Möglichkeit (weil es oft eben auch zu Pressemeldungen darüber kommt), sind Lesungen. Aber da muß ich mich bescheiden, denn ich bin mit meinem Roman "Die Farbe von Kristall" bereits bis ins nächste Jahr ausgebucht, so daß ich entschieden habe, mit "Baumgesicht" keine weiteren Lesungen mehr zu machen.

FEDERWELT: Wie geht der Buchhandel mit BoD um?

NIKOLA HAHN: Ich glaube, die wahre Begeisterung herrscht im Buchhandel darüber nicht. Eine genauere Einschätzung ist mir im Moment noch nicht möglich, denn ich hatte noch nicht so viel Gelegenheit, mein Buch Buchhändlern vorzustellen. Bei den Lesungen, die im Sommer liefen, hatte ich immer selbst ein paar Exemplare dabei, was allerdings daran lag, daß ich nicht mehr genügend Zeit hatte, die Buchhändler über die Neuerscheinung zu informieren (die Auslieferung der Bücher an den Buchhandel dauert ca. eine Woche). Für meine Lesungen jetzt im Herbst und Winter habe ich die Buchhändler informiert und werde sehen, ob und wie sie ordern.

FEDERWELT: Unter welchen Umständen würdest du einer unbekannten Autoren raten, ihr erstes literarisches Werk als BoD herauszubringen?

NIKOLA HAHN: Wenn sich partout kein Verlag findet und das Werk nicht allzu umfangreich ist, würde ich einen solchen Weg empfehlen. Allerdings immer unter der Voraussetzung, daß das Manuskript selbstkritisch überarbeitet wurde und daß die Gestaltung und die Aufmachung des Buches professionell gemacht wird. Hier zu sparen, würde sich fatal auswirken. Eine Herausgabe als Book on Demand würde ich auf jeden Fall als Alternative zu einem sogenannten "Druckkostenzuschußverlag" empfehlen! Man muß sich nur darüber im klaren sein, daß es mit dem Druck allein nicht getan ist - der Autor oder die Autorin müssen sich selbst um ihr Buch kümmern, müssen sich überlegen, wie sie es unters Volk bringen könnten. Übrigens: Auch bei meinen Romanen habe ich anfangs sehr, sehr viel selbst gemacht, was Pressearbeit und Lesungen anging. Ein Verlagsvertrag in einem "richtigen" Verlag garantiert nämlich keineswegs einen Verkaufserfolg!

FEDERWELT: Könntest du dir vorstellen, deinen nächsten Roman als BoD herauszubringen?

NIKOLA HAHN: Nein. Zum einen gibt es in der Verlagslandschaft für Romane eher eine lukrative Veröffentlichungsmöglichkeit als für Lyrik und Kurzprosa, zum anderen würde ein mehrhundertseitiges Manuskript über BoD in der Herstellung so teuer, daß der Verkaufspreis viel zu hoch läge. Aber auch die Herausgabe eines Romans ist in kleinen Auflagen möglich. Wer mehr wissen möchte, dem empfehle ich das Buch "Mini-Verlag" von Manfred Plinke, ein umfassender Ratgeber, der alle Möglichkeiten der Eigenveröffentlichung (auch Publishing on Demand) beschreibt und eine Fülle an Adreßmaterial bietet.

FEDERWELT: Vielen jungen Autorinnen und Autoren gelingt nicht der Sprung von den ersten, noch tastenden Übungsgeschichten zum großen Wurf. Kannst du ein paar Tipps geben?

NIKOLA HAHN: 

1. Eine ehrliche Antwort auf die Frage geben: Für wen will ich schreiben? Schreiben als Therapie, Selbstfindung oder ähnlichen Gründen ist in Ordnung, wenn man nicht darauf hofft, damit einen "Bestseller" zu landen.


2. Das Handwerk lernen! Dazu gibt es mittlerweile viele gute Ratgeber, Kurse oder Fernlehrgänge. Einige Ratgeber, die ich sehr nützlich finde, stelle ich auf meiner Website vor.


3. Mut zur Selbstkritik! Nicht das Schreiben ist die Hauptarbeit, sondern das Überarbeiten! Ich habe meine Romane bis zu zwanzig mal überarbeitet, immer wieder daran gefeilt, bis ich mit dem Ergebnis zufrieden war.


4. Informieren! Welcher Verlag publiziert was? Wo könnte meine Geschichte/mein Roman hineinpassen?


5. Professionell anbieten! Sicher kommt es letztlich auf den Inhalt an, aber die Form ist nicht zu unterschätzen. Wer sich aus der Masse hervorheben will, sollte wissen, wie man ein Exposé schreibt, welche Angaben in ein gutes Anschreiben hineingehören und ähnliches mehr.


6. Geduld haben und den Mut nicht verlieren! Auch wenn es immer wieder Phasen gibt, in denen man alles am liebsten hinschmeißen würde (die hatte ich auch!),  Zähne zusammenbeißen und weitermachen!

FEDERWELT: Vielen Dank, Nikola, für das Gespräch. Ich wünsche dir Erfolg für das "Baumgesicht" und alles Gute weiterhin.

Die Fragen stellte Martina Weber.
© Nikola Hahn, Martina Weber, 2003

 

Die Federwelt präsentiert sich online unter http://www.federwelt.de

* zu Fouqué Verlag/ Hänsel-Hohenhausen siehe auch meine Anmerkung in eigener Sache! 

 

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