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Interview 5

zum Erscheinen der "Wassermühle"

... Und hier geht`s zu den "Mühlengesprächen" mit Nikola Hahn zur Neuausgabe des Romans

 

Frau Hahn, wie kommt eine Kriminalhauptkommissarin dazu, Romane zu schreiben?

 

Erste Geschichten schrieb ich schon als Kind in Schulheften auf - meine Passion fürs Schreiben ist also viel älter als meine inzwischen 16jährige Berufslaufbahn bei der Polizei. Meine allererste Geschichte fiel mir neulich beim Aufräumen wieder in die Finger: zehneinhalb Sätze mit siebeneinhalb Rechtschreibfehlern in Erstklässlerschrift auf vergilbtem Breitlinien-Papier. Daß ich schreibe, hat also nichts mit meinem Beruf zu tun. 

 

 

Hilft Ihnen das Schreiben, Erlebnisse aus Ihrem beruflichen Alltag zu verarbeiten?

 

Irgendwo wahrscheinlich schon, aber wohl eher unbewußt. Ich liebe es, mir Geschichten auszudenken, Menschen und Welten zu erfinden. Natürlich fließen da auch eigene Erlebnisse und Erfahrungen ein, aber weniger, um sie für mich zu verarbeiten (das kann ich besser im stillen Kämmerchen), sondern, um sie für den Leser in eine spannende, unterhaltsame Geschichte einzuweben, die er gerne liest. Ich schreibe für meine Leser, nicht für mich.  

 

 

Inwieweit fließen Ereignisse ihrer Polizistinnen-Laufbahn in Ihre Romane ein? 

 

"Die Details werden dem einen oder anderen bekannt vorkommen" : Dieser Hinweis steht bewußt am Anfang der "Wassermühle", und jeder, der mich kennt, wird beim Lesen merken, was ich meine. Auch in meinen historischen Roman "Die Detektivin" sind gewisse Erfahrungsmomente aus meinem Dienstleben eingeflossen, aber da mußte ich sehr behutsam vorgehen, da das Buch in einer völlig anderen Zeit spielt. In "Die Wassermühle" hatte ich da herrliche Freiheiten, und so findet sich in dem Roman auch das eine oder andere Authentische aus Polizeiprotokollen und der "Begegnung" zwischen Polizisten und Bürgern.  

 

 

Welche Personen oder Situationen der »Wassermühle« haben reale Vorbilder?

 

Die Hauptpersonen in meinen Romanen sind immer fiktiv; ich will vermeiden, daß jeder, der mich kennt, Angst haben muß, daß er im nächsten Roman vorkommt. Bei Situationsschilderungen liebe ich es, Fiktion und Reales so miteinander zu verquicken, daß der Leser die Fiktion für Realität und die Realität für Fiktion hält. Das ist ja das Schöne beim Schreiben: hemmungslos fabulieren zu dürfen. "Richtig" authentisch ist eigentlich nur der in einer Nebenrolle auftretende Kommissar "Kunze" samt seiner im ganzen Polizeipräsidium Offenbach berüchtigten Teekanne.  

 

 

Gibt es in der »Wassermühle« eine Figur, in der Sie sich selbst wiedererkennen?

 

 Nein. In jeder Figur steckt ein kleiner Teil von mir.  

 

 

Ihr erster Roman »Die Detektivin« war ein historischer Roman. Mit der »Wassermühle« machen Sie einen großen Sprung in die Gegenwart ...

 

Ja. "Die Detektivin" erzählt eine tragische Geschichte aus den Anfängen der Kriminalistik im 19. Jahrhundert, ich nehme den Leser sozusagen auf eine Reise zu dem Wurzeln meines Berufstandes mit. Bei Lesungen wurde ich öfter gefragt, warum ich nicht mal etwas aus dem Polizeialltag von heute schreibe. "Die Wassermühle" ist die Antwort darauf. Und ein bewußter Gegenentwurf zu den heute üblichen "Frauenromanen" mit ihren trendy durchgestylten Superheldinnen. 

 

 

Sie begeben sich sozusagen beruflich und privat auf Verbrecherjagd. Sehnen Sie sich nicht manchmal nach einem weniger kriminellen Milieu? 

 

Das habe ich mir schon geschaffen: Ich bin seit Jahren in der Interessengemeinschaft deutschsprachiger Autoren aktiv, arbeite dort in der Redaktion einer Literaturzeitschrift. Ebenfalls seit Jahren helfe ich Menschen dabei, Brieffreunde in aller Welt zu finden, ich liebe Gartenarbeit, sammele seltene Kräuter; wie die Bäuerin Elli in "Die Wassermühle" vermehre ich alte Tomatensorten, wie Künstlerin Vivienne Belrot male ich, allerdings nicht in Öl, sondern mit Farbstiften, gegenständlich-abstrakt. Und die wenigsten meiner Freunde und Bekannten sind bei der Polizei.  

 

 

Verarbeiten Sie auch aktuelle gesellschaftliche Themen in Ihren Romanen? Durch die tödlichen Schüsse auf vier Ihrer Kollegen ist ja in letzter Zeit eine heiße Mediendiskussion entbrannt ...

 

1987 mußte ich miterleben, wie zwei meiner Kollegen an der Startbahn West am Frankfurter Flughafen erschossen wurden. Natürlich macht man sich Gedanken, redet, diskutiert, fragt nach dem Warum. Ich weiß, daß es keine absolute Sicherheit geben kann, daß die Gefahr, verletzt oder sogar getötet zu werden, zum Risiko des Polizeiberufs zählt, aber im Alltagsgeschehen denkt man wenig darüber nach. In der "Wassermühle" schildere ich eine Routinekontrolle, die unversehens eskaliert. Daß das allerdings von der Realität so bald auf tragische Weise überboten würde, konnte ich beim Schreiben nicht ahnen.  

 

 

Vielen Dank für das Gespräch. 

 

Das Interview führte Gabi Beusker.

Abdruck für Pressezwecke frei. 

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