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Was tun, wenn´s klemmt?

 

 

Tipps und Tricks zum Weiterschreiben ...

 


Während der Schreibzeit zu meinem dritten Roman (rund zweieinhalb Jahre) musste ich ab und zu berufsbedingt Zwangspausen einlegen. (Ich arbeite im Hauptberuf bei der Polizei, und da gibt´s nun mal keinen geregelten 8-Stunden-Tag.) Nach diesen Pausen fiel es mir schwer, wieder in den Schreibfluss zu kommen. Bei mir hat Folgendes geholfen:

1.
Einfach ein halbes Kapitel vorher "einsteigen", lesen, korrigieren,
die Gedanken schweifen lassen. Wenn ich dann am "Ende" ankam, hatte
ich meist eine Idee, wie es weitergehen könnte.

2.
Erst mal irgendeine Szene schreiben, nach der es einen drängt (es gibt
immer bestimmte Situationen und Szenen, die einem im Kopf herumschwir-
ren, und andere, die zwar nötig sind, die man aber nicht so gern
schreibt), und den Rest dazwischen mit "Erzählprosa" auffüllen. Etwa
so:
--- Hier wird ein Dialog zwischen Held und Antiheld stehen, danach be-
schreibe ich, wie der Held in die Stadt kommt und seine Exfrau trifft,
und dann läuft ihm plötzlich das kleine Mädchen über den Weg.---
"Hallo!" sagte die Kleine. Sie lächelte. Einfach so. [...]

Ich schlage also der "Hemmschuhszene" ein Schnippchen und mache da
weiter, wo ich Lust habe. Wichtig ist es, dabei das Konzept und den
Handlungsablauf nicht aus den Augen zu lassen. Ich habe die "narrati-
ven Szenen" in meinem Roman einfach rot unterlegt, so dass ich auch
beim flüchtigen Drüberlesen sofort gesehen habe, wo ich noch nachar-
beiten musste. Oft fällt einem dann später eine viel bessere Idee zum
"Ausfüllen" ein als die ursprüngliche, an der man ewig "hängen blieb".

3.
Ich stelle mir vor, was meine Figuren nach Ende des Romans anstellen.
Das ist eine reine Denkübung (die kann man in der Straßenbahn, beim
Joggen oder bei langweiligen Besuchen wie auch vor dem Computer anwen-
den!). Mir helfen solche Tagträume, mich mehr für die Figuren im Jetzt
meines Romans zu interessieren, und es drängt mich dann, ihre Ge-
schichte weiterzuerzählen, ggfs. wie unter 2 beschrieben.

4.
Das gleiche Ergebnis erziele ich bei beschreibenden Passagen, wenn ich
mich in Sekundärliteratur vertiefe. Zum Beispiel wollte ich die "Bo-
ckenheimer Warte", einen mittelalterlichen Turm in Frankfurt, in mei-
nem Roman beschreiben. Der Turm hatte eine Bedeutung für die Geschich-
te, ich wollte aber nicht nur das Äußere beschreiben. Also habe ich
mir ein Buch über die Stadtgeschichte Frankfurt vorgenommen, und siehe
da: Es stand eine nette Geschichte über diesen Turm drin, die ich dann
in den Roman eingearbeitet habe.

5.
Wenn es bei Dialogen hängt, mache ich mir eine kurze Aufstellung, in
der ich folgende Fragen beantworte:
- Soll der Dialog etwas vom Charakter der Personen verraten? Was?
- Soll er einen Konflikt behandeln? Welchen?
- Soll er Infos liefern? Welche?

Dann schreibe ich den Dialog unter dieser Prämisse einfach "runter",
ohne über Stil und Form nachzudenken. Hinterher wird dann sortiert:
Doppelungen und Überflüssiges rausstreichen, Sätze ggfs. umstellen
(Das wirkt manchmal Wunder!).

 

 

 

© Nikola Hahn

 

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