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Interview 2

("Bücherpunsch" Rödermärker Büchereizeitung, Nr. 2/November 1998, - Auszug -)

 

Die "Detektivin" Nikola Hahn im Interview

 

 

Frau Hahn, Sie haben schon als Schülerin geschrieben?

 

Ja, aber die Gedichte und Kurzgeschichten, die ich während meiner Schulzeit verfaßt habe, waren alles andere als veröffentlichungsreif! Immerhin war ich aber auch erst zehn. Etwa Mitte der achtziger Jahre habe ich - parallel zu meiner Polizeiausbildung - ein mehrjähriges Fernstudium in Belletristik, Sachliteratur und Lyrik absolviert, um mein Schreiben zu professionalisieren. Danach habe ich unter anderem zwei Jahre nebenberuflich für die Offenbach-Post gearbeitet und war hier und dort mal mit einer Kurzgeschichte in einer Zeitschrift oder Anthologie vertreten. 

 

 

Was fasziniert Sie am Schreiben?

 

Vor allem fasziniert es mich, Geschichten und Figuren lebendig werden zu lassen, die meiner Phantasie entsprungen sind. Das ist auch der Grund, warum meine journalistischen Ausflüge nur vorübergehender Natur waren. Andererseits kann ich weder meine Erfahrungen in diesem Bereich noch die Kriminalistin in mir verleugnen, und das bedeutet, daß ich ziemlich detailgenau recherchiere, was das "Drumherum", beispielsweise den Ort oder die Zeit der Handlung, angeht. 

 

 

Lag es für Sie auf der Hand, einen Kriminalroman zu schreiben, bei Ihrem beruflichen Hintergrund?

 

Das war reiner Zufall. Ich habe vorher ja eine Menge anderer Sachen geschrieben, unter anderem auch einen Familienroman, der aber nicht veröffentlicht wurde*. Ich wandte mich dann an eine Literaturagentur, und die Idee zu der "Detektivin" entstand während eines Telefonats mit dem Agenten, der mich fragte, ob ich mir als Kriminalbeamtin nicht vorstellen könne, mal einen historischen Krimi zu schreiben. 

 

 

Wie sehen Sie Ihr Buch? Eher als Detektiv- oder als Frauenroman?

 

Es ist ein Gesellschaftsroman mit kriminalistischem Hintergrund, vor allem aber eine spannende Geschichte über die schmale und schmerzvolle Grenze zwischen Lüge und Wahrheit. Der Titel "Die Detektivin", den übrigens nicht ich, sondern der Verlag ausgesucht hat, ist insofern etwas mißverständlich. 

 

 

Identifizieren Sie sich mit einer Person aus dem Roman besonders?

 

Ja, mit Heiner Braun. Er ist ein Mensch, der sich trotz seines harten Schicksals eine Portion Humor bewahrt hat, und das Ausdenken der kleinen Lebensweisheiten, die er seinem Vorgesetzten Biddling immer wieder an den Kopf wirft, hat mir ein besonderes Vergnügen bereitet. Heiner Braun war übrigens die einzige Figur, die so überhaupt nicht geplant war - er hat sich quasi immer weiter in den Roman hineingemogelt, bis er schließlich zur dritten Hauptfigur avancierte. 

 

 

Wie lange haben Sie zur Erstellung des Buches gebraucht?

 

Etwa eineinhalb Jahre, in denen ich von Freizeit und Urlaub nur träumen konnte.

 

 

Schreiben Sie direkt in den Computer oder erst von Hand vor?

 

Direkt in den Computer. Das Geschriebene wird am Bildschirm mehrfach überarbeitet: Sind ein oder zwei Kapitel fertig, drucke ich alles aus und überarbeite es noch mal per Hand, weil ich die Erfahrung gemacht habe, daß ich am Bildschirm gewisse Dinge einfach nicht sehe. Die Änderungen gebe ich dann wieder in den Computer ein. Auf diese Weise habe ich meinen  Roman mindestens zwanzigmal überarbeitet. 

 

 

Entwickeln Sie die Handlung während des Schreibens oder haben Sie ein fertiges Konzept oder "Gerüst", an das Sie sich dann halten?

 

Um überhaupt einen Verlagsvertrag zu bekommen, mußte ich ein Exposé (also eine Inhaltsangabe mit zielgerichteter Leseransprache), eine Gliederung und ein Probekapitel abgeben. Ich hatte also schon ein Gerüst, an das ich mich im großen und ganzen hielt. Das Ende beispielsweise mußte schon deshalb von vornherein klar sein, weil ich nur so durch Anspielungen und (versteckte) Hinweise Spannung aufbauen konnte. Auch die verschiedenen Charaktere habe ich vorher festgelegt. (...) Ob bestimmte Ideen oder Gedanken, auf die ich während des Schreibens kam, Eingang in meinen Roman fanden, bemaß sich allerdings ausschließlich nach der Frage, ob sie mit der erzählten Geschichte in irgendeinem Zusammenhang stehen können. Da habe ich streng nach dem Motto gehandelt: Die Pistole, die im ersten Akt an der Wand hängt, muß spätestens im letzten losgehen!

 

 

Welche Tips können Sie Lesern geben, die gerne selber schreiben?

 

Erstens: Nehmen Sie sich Zeit, Ihr Handwerk zu lernen. (...) Zweitens: Fassen Sie Kritik nicht als persönliche Kränkung auf, sondern nehmen Sie sie als Chance, um auf dem Weg zum Schriftsteller voranzukommen. Und drittens: Lassen Sie sich von Mißerfolgen nicht gleich entmutigen. Auch wenn es in den Medien immer wieder suggeriert wird: Bücher fallen nicht vom Himmel, und erfolgreiche schon gar nicht! 

 

 

Haben Sie literarische Vorbilder?

 

Nein, habe ich nicht. Ein Rezensent hat "Die Detektivin" mit einem Roman verglichen, den ich gar nicht kannte. Ich finde das amüsant ... andererseits wird man irgendwie immer auch von dem beeinflußt, was man liest, hört oder erfährt. (...)

 

 

Neben dem Schreiben haben Sie ja auch noch zahlreiche weitere private Interessen und Hobbies.

 

Mein größtes Hobby ist natürlich das Schreiben; zur Entspannung zeichne ich gerne. Daneben bin ich eine leidenschaftliche Leserin, sowohl von Belletristik, als auch von Sachbüchern (vorwiegend Gartenbau). Ich beschäftige mich mit Kräutern aller Art und dem Anbau und der Vermehrung alter Tomatensorten. Außerdem bin ich seit zwölf Jahren Repräsentantin einer internationalen Vereinigung, die Brieffreundschaften in alle Welt vermittelt. Nicht nur aus beruflichen Gründen treibe ich regelmäßig Sport, vor allem Laufen und Schwimmen. 

 

 

Ihr Mann hat Sie beim Schreiben unterstützt?

 

Mein Mann (...) war mein erster und strengster Kritiker. 

 

 

Frau Hahn, wir danken Ihnen für dieses Gespräch. 

 

Anmerkung: Die Veröffentlichung erfolgte mit Einverständnis des Interviewers.

*"DIE WASSERMÜHLE",  Sommer 2000 erschienen;

Neuausgabe im eBook mit illustriertem Literaturglossar 2013

 

 

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